Mittwoch, 16. September 2015

Zu schnell lesen?!


Kann man zu schnell lesen?


Ich lese schnell und viele sagen, dass das doch gar nicht geht und ich das Buch nicht genieße und nicht alles genau lese und schnell wieder vergesse.

Irgendwo stimmt das, denn besonders durch die Reviews von Büchern, die schon eine Weile zurückliegen, merke ich, dass ich vieles überhaupt nicht mehr weiß.

 

Darum werde ich auch zu bestimmten Büchern wie Selection und A Song Of Ice And Fire abwarten, bis ich es noch mal gelesen habe, damit, die Eindrücke frischer sind.

Aber kommt dieses Vergessen wirklich vom zu schnellen Lesen? Gibt es zu schnelles Lesen überhaupt? Vielleicht ist es ja auch nur so eine Art vorübergehende Pubertäts-Demenz?

Ich hoffe sehr, dass es letzteres ist, denn es ist ja schon wahrscheinlicher, da das Gehirn praktisch eine Baustelle ist und ich auch nicht die einzige in meinem Alter bin, die viel vergisst. Und die massive Datenüberflutung in der Schule macht es auch nicht unbedingt besser...

Außerdem wäre es echt schön, wenn ich mich irgendwann auch wieder an Einzelheiten von Büchern erinnern könnte, selbst wenn die einige Monate zurückliegen.

Beim Lesen kommen immer 2 Dinge zusammen: Der Leser und das Buch.  Beide bringen etwas mit: Das Buch seinen Stil und der Leser seine favorisierte Lesegeschwindigkeit.

Manche Bücher legen es wirklich drauf an, verschlungen zu werden, zum Beispiel Selection oder die Edelsteintriologie von Kerstin Gier. Ich musste mich so sehr zurückhalten, um einzelne Passagen, die die Geschwindigkeit herausgenommen haben, nicht zu überspringen.

Und oft merke ich bei solchen Büchern auch, dass ich gar keine Ahnung habe, was ein paar Seiten zuvor passiert ist, weil ich so sehr auf den nächsten Wendepunkt der Handlung fixiert war. Dann blättere ich wieder zurück und kann das alles nachholen, ohne dass ich mich vor Spannung auffresse.

Andere Bücher, wie zum Beispiel Assassin´s Apprentice von Robin Hobb (lese ich gerade) brauchen einfach so unglaublich lange! Es hat noch nicht mal 400 Seiten, ist also für meine Verhältnisse wirklich dünn und ich lese schon seit über einer Woche daran. Ich habe mal Seelen von Stephanie Meyer (knapp 900 Seiten) in 4 Stunden gelesen, man sieht: Die Bücher unterscheiden sich extrem! Der Genauigkeit halber muss ich aber sagen, dass man es nicht wirklich an der Seitenanzahl festmachen kann, denn insbesondere in englischen Büchern ist die Schrift sehr klein.

Dann gibt es auch noch Bücher, die sich nicht schnell, aber auch nicht langsam lesen lassen. A Song Of Ice And Fire zum Beispiel. Bei George RR Martins Stil kann jeder ziemlich gut sein eigenes Tempo finden. Ich habe es trotzdem verschlungen ;), aber nicht so krass wie andere Bücher.

Ich liebe trotzdem alle genannten Beispiele, denn jedes Buch und jeder Autor hat seinen ganz eigenen Stil, der genau DAZU passt. Einen "richtigen" Stil gibt es nicht.

Auch wenn man manchmal einen Stil nicht mag und ihn gerne verändern würde, das Buch wäre vielleicht besser, aber anders. Der Autor drückt mit seinem Stil dem Buch einen Stempel auf und macht es persönlich. Und genau wie man manche Personen nicht mag, mag man manche Stile nicht. Was aber nicht bedeutet, dass ein Stil oder eine Person richtig oder falsch ist.

Doch was ist "richtig" beim Leser?

ALLES ist richtig und gut.

Wer das Buch in ein paar Stunden durchhat und am Ende nur noch die Haupthandlung kennt, egal, einfach irgendwann nochmal lesen. Beim re-readen entdecke ich immer wieder neue Dinge, die mir beim ersten (oder zweiten. Oder dritten.) Mal nie aufgefallen sind. Wer so aufmerksam ist und den Hintergrund eines Buches schon beim ersten Lesen genau erfasst, herzlichen Glückwunsch, auf deine Art machst du es für dich genau richtig!

Ich fühle mich manchmal doof, wenn ich zB von einem Charakter lese, der mir gar nicht bekannt vorkommt, obwohl er schon erwähnt wurde. Wenn ich mich unwohl fühle mit meinem Lesestil, kann ich es verändern und mich zurückhalten. Doch wenn man seine Geschwindigkeit gefunden hat und damit glücklich ist, warum aufhören? Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann er ein Buch genießen will und wann verschlingen. Obwohl das Buch da auch noch ein Wörtchen mit zu reden hat ;)

Der Leser und das Buch bilden zusammen eine individuelle Gemeinschaft, die für jedes Buch und jeden Leser einzigartig ist.

 

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